Montag, 15. Februar 2010

“Noch’n Gedicht” in Bad Godesberg

Es wohnt ein Wind im Bonner Süden,
der pustet kalt,
wer da nicht einen Mantel hat,
der hustet bald.

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Heinz Erhardt war ein Phänomen.

Viele Tausende haben ihn auf der Bühne erlebt und herzlich über seine Komik gelacht. Millionen kennen ihn vom Rundfunk, Fernsehen, aus dem Kino oder seinen Büchern. Er war der beliebteste Komiker der fünfziger und sechziger Jahre und einer der begabtesten Humoristen des Jahrhunderts. Noch’n Gedicht…“ ist wohl der bekannteste Ausspruch des Heinz Erhardt, mit dem er seine Gedichte anzukündigen pflegte.

Erhardts spitzbübischer Humor und sein spielend leichter Umgang mit der deutschen Sprache sind bis zum heutigen Tage legendär und unvergessen. Manche seiner Verse sind in den allgemeinen Sprachschatz übergegangen und werden auch heute noch gerne zitiert, meist ohne den Urheber zu kennen.

Seine Wortspiele, oft mit einer versteckten und kritischen Pointe versehen, haben bis heute nichts von ihrem Charme verloren.

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Der Schauspieler Thorsten Hamer (27) hat Heinz Erhardt - im Gegensatz zu den meisten Zuschauern im Kleinen Theater - nicht mehr live erlebt. Aber von seiner Großmutter so viel gehört von den aberwitzigen Reimen des fröhlichen Verseschmieds, dass er sich Erhardts Gedichte selbst zur Brust genommen hat.

"Noch 'n Gedicht" heißt Hamers Blütenlese aus Erhardts schönsten Sprüchen, Parodien und Sketchen, mit der er jetzt in Bad Godesberg zu Gast ist und das geneigte Publikum vor Lachen ganze Alleen von Purzelbäumen schlagen lässt.

Hamer macht das brillant. Er hat natürlich einige alte Nummern ein bisschen aktuell aufpoliert - aber wenn er listig sein "Hach, was bin ich wieder für ein Schelm heute" einstreut, scheint Erhardt leibhaftig wieder leise zu lächeln, um dann des Sängers Fluch zu beschwören und beim Beifall bescheiden ganz schamviolett anzulaufen.

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Links: 

Die Sage von Hero und Leander oder “Falsche Sparsamkeit”
von Heinz Erhardt ©

1. Teil – Die Ansichtskarte

Der Hero und auch die Leander,
die hatten gar nichts miteinander.
Das lag hauptsächlich an der Länge
und Breite jener Meeresenge,
die man, hat man nicht grad gepennt,
als Helespont von früher kennt.
Nun war der Hero ja schon immer
bekannt als Sportler, nämlich Schwimmer.
Weshalb er eines Tages rief:
“Ich schwimme zu ihr, ist’s auch tief!
Ist auch die Strecke nass und lang,
was macht das schon, mir ist nicht bang!
Ich arbeite bis Samstag bloß,
dann schwimme ich nach Dienstschluss los!”
Drauf schrieb er eine Ansichtskarte.
“Ich komm ganz früh am Sonntag, warte!
Doch weil du liebe Lea faktisch
direkt am Ufer wohnst, was praktisch,
so zünde eine Kerze an
und stell sie in dein Fenster dann.
Auf dass sie leuchte und mich leite
zu dir, bis auf die and’re Seite!
Ich geb dir’n Vorschuss-Kuss, hier hast’n!”
Und warf die Karte in den Kasten.
Und Samstag Nacht, wie vorgeseh’n,
sprang er, die Uhr war kurz nach zehn,
bekleidet nur mit einer Hose, im Munde aber eine Rose,
und mit Salatöl eingerieben,
ins Wasser mit’m Ziel nach drüben.

2. Teil – Der Untergang

Das Meer geht hoch, die Winde wehen,
die Nacht ist kalt, er kann nichts sehen.
Den Mond und auch die Sterne nicht,
doch auch nicht seiner Liebsten Licht!
So sehr er die Pupille weitet,
wo ist die Kerze, die ihn leitet???
“Verzeihung, geht es hier zum Ufer?”
brüllt er, doch niemand hört den Rufer.
Nur schwer noch kann er sich im kalten
Gewässer über Wasser halten.
Und so verliert im Meer Getose
er erst die Hoffnung, dann die Rose.
Er murmelt paar Mal “Junge Junge…”,
dann dringt ihm Wasser in die Lunge.
Er nimmt noch zwei drei Schluck, dann sinkt er
bis auf’n Grund und hier ertrinkt er.
So endete das Sein für ihn
durch eine Kerze, die nicht schien….

3. Teil – Die Erläuterung

Nun fragen Sie wohl unterdessen:
Warum hat sie das Licht vergessen?
Weil sie, wie so das Schicksal spielt,
die Post erst Montag früh erhielt!
Und da war’s schon zu spät zum Leuchten,
da lag er schon im Grab, im feuchten….
Schlussfolgerung.
Hätt er ein Telegramm geschickt,
wär ihm sein Vorhaben geglückt….

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